Die Wüste Tabernas
Nördlich von Almería, im sonnenverwöhnten Süden Spaniens, verbirgt sich ein komplett verrückter und magischer Ort: die Tabernas Wüste. Gerade einmal eine halbe Stunde von der Küste des Mittelmeers entfernt, stehst du plötzlich mitten in einer rauen, endlosen Weite, die dir direkt ein echtes Wildwest-Feeling gibt.
Die Wüste von Tabernas ist Europas einzige echte Halbwüste und zeigt sich Reisenden immer wieder von ihrer schönsten, wenn auch unbarmherzigsten Seite. Mit über 3.000 Sonnenstunden im Jahr und kaum Niederschlag hat sich hier eine ganz andere, zerklüftete Landschaft aus sogenannten Badlands gebildet. Diese surreale Kulisse blieb auch Hollywood nicht verborgen: In den 60er und 70er Jahren war Tabernas das Epizentrum der legendären Spaghetti-Western.
Flucht vor dem Sturm: Unser Weg ins Unbekannte
Als wir von der Küste landeinwärts Richtung Tabernas gefahren sind, waren wir eigentlich auf der Flucht. An der Küste war ein ziemlich krasser Sturm, wir hatten sogar das Gefühl, dass die Palmen gleich umfliegen würden. Wenn du in dieser Region oberhalb der Küste über die Autobahn fährst, fährst du durch das berühmt-berüchtigte „Mar de Plástico“. Almería ist umgeben von einer der größten Obst- und Gemüseanbauflächen Europas. Von oben betrachtet wirken die endlos aneinandergereihten Gewächshäuser wie ein riesiges, weißes, schwimmendes Plastikmeer. Und ja: Das ist nicht sehr romantisch, aber es ist die Realität dieser Region.
An diesem Tag, an dem es für uns das erste Mal in die Tabernas Wüste führen sollte, mussten wir also nachmittags quer durch dieses Plastikmeer hoch ins Landesinnere. Tatsächlich war dieser Abstecher gar nicht geplant gewesen. Doch der 100 km/h starke Küstenwind zwang uns dazu, im Landesinneren nach einem windgeschützten Stellplatz für die Nacht zu suchen.
Angekommen sind wir in absoluter Dunkelheit. Ich erinnere mich noch genau, wie nur die Scheinwerfer unseres Autos die staubigen Umrisse gezeigt haben. Man hatte nur eine kleine leise Ahnung, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Wir parkten eng in einer kleinen Seitenstraße zwischen schützenden Häuserwänden, um in der Nacht nicht völlig vom Wind durchgeschüttelt zu werden. Für solche Nächte, wenn du irgendwo im komplett dunklen nachts irgendwo ankommst, können wir dir eine starke Taschenlampe empfehlen. Dadurch hast du direkt ein besseres Gefühl und erkennst, was sich in deiner unmittelbaren Nähe befindet.
Ein Erwachen in einer anderen Welt
Am nächsten Morgen war es dann soweit. Der erste Blick aus dem Fenster, schnell anziehen und die ersten Schritte durch das kleine, verschlafene Örtchen Tabernas machen. Es fühlte sich an wie das Erwachen in einer komplett anderen Welt. Der Sturm der Nacht hatte sich in eine leichte Brise verwandelt, die uns nun die warme, nach trockenem Sand duftende Wüstenluft ins Gesicht pustete.
Um uns herum: riesige Kakteen und eine endlose Farbpalette aus warmen Gelb-, Braun- und Beigetönen. Man kann sich noch so viele Bilder im Internet ansehen aber nichts bereitet dich auf das Gefühl vor, durch diese ursprünglichen, einheimischen Gassen zu schlendern und sich das rustikale Leben hier vorzustellen. Ich weiß nicht genau warum, aber während wir durch den feinen Wüstenstaub liefen, fühlte es sich an, als wäre die Zeit an diesem Ort vor Jahrzehnten einfach stehen geblieben.
Die perfekte Route durch die Tabernas Wüste: Orte, die du nicht verpassen darfst
Wenn du mit dem Camper oder dem Mietwagen in dieser Region unterwegs bist, bietet die Tabernas Wüste viele sehr tolle Spots für einen unvergesslichen Roadtrip. Hier sind ein paar absoluten Highlights für deine Route:
Das Castillo de Tabernas: Wenn du direkt das Örtchen Tabernas besuchen willst, kann ich dir empfehlen im Dorf hoch zur alten maurischen Burgruine aus dem 11. Jahrhundert zu spazieren. Auch wenn nur noch Reste der Festung stehen, hast du von hier oben den absolut besten Panoramablick über das endlose Wüstental. Die Weite der Landschaft von diesem Aussichtspunkt aus ist wirklich wunderschön und atemberaubend.
Wanderung durch die „Ramblas“ (Sendero del Desierto): Perfekt, wenn du Bock auf wandern hast oder dein Hund eine schöne lange Gassi-Runde verdient. Die ausgetrockneten Flussbetten (Ramblas) sind sehr besonders und einen Abstecher wert in der Wüste. Eine beliebte, etwa 9-14 km lange Route führt dich mitten durch die sandigen Schluchten, vorbei an Gesteinsformationen und versteckten Oasen. Hier spürst du die vollkommene Stille der Wüste am intensivsten. Aber Achtung: Hier brennt die Sonne auf dich runter, wenn du gutes Wetter hast, achte darauf genug Schutz und Wasser für dich (und deinen Hund) einzupacken. Es kann wirklich heiß werden!
Oasis de Lawrence de Arabia: Ein kleiner, aber faszinierender Stopp auf deiner Wanderung oder Fahrt. Diese grüne Palmenoase mitten im Nichts verdankt ihren Namen dem Filmklassiker Lawrence von Arabien, der hier teilweise gedreht wurde. Ein perfekter Ort für beeindruckende Landschaftsfotos.
Eintauchen in den Wilden Westen: Viele die die Tabernas Wüste besuchen, schauen sich auch die alten Filmkulissen an. Es gibt drei große Themenparks: Oasys MiniHollywood, Fort Bravo und Western Leone. Für jeden Western Film Fan glaube ich wäre es ziemlich cool hier einmal durchzulaufen, falls du aber weniger Lust auf Touri-Program und Menschen hast, kann man das auch auslassen. Die Wüste selbst hat so viele beeindruckende Orte, da kannst du fast selber alte Filme an jeder Ecke drehen.
Via Verde de Lucainena de las Torres: Wenn du nach dem Wüstenstaub noch etwas Idylle suchst, fahre ein Stück weiter nach Lucainena de las Torres (offiziell eines der schönsten Dörfer Spaniens). Hier kannst du auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse („Via Verde“) wunderbar spazieren gehen oder Rad fahren, umgeben von Olivenhainen und Mandelbäumen.
Wo kann man übernachten, wenn man mit dem Van in der Wüste unterwegs ist?
Das Thema Freistehen und Stellplatz Suche ist ja ein oft sehr umstrittenes und auch schwieriges Thema. In einem anderen Beitrag, erzähle ich dir, wie wir meistens unsere Stellplätze finden. Schau dafür gerne hier vorbei: Stellplatz-Suche im Vanlife Alltag.
In Spanien ist es ja so, dass vor allem in der Nebensaison und im Innenland Spaniens, die Regeln relativ locker gesehen werden und das Freistehen geduldet wird. Das aber auch nicht immer, es kann immer dazu kommen, dass du weggeschickt wirst oder im Worst-Case sogar eine Geldstrafe bekommst. Ich würde dir empfehlen, immer auf dein Bauchgefühl zu gucken, auch oft nachzufragen, einheimische ob sie wissen, ob es okay ist hier für eine oder zwei Nächte zu stehen. Meistens sind die super nett und es stört sie überhaupt nicht und du hast im Gegenzug das Gefühl auch nicht zu stören.
Da die Wüste ja sehr groß ist, gibt es genügend Freistehen-Spots, die du zum Beispiel über park4night finden kannst, die mit Bewertungen erzählen, wie die Nächte dort waren. Das tolle ist, in der wüste einmal freizustehen, ganz alleine irgendwo in den ausgetrockneten Flussbetten hat schon was ganz besonderes und magisches an sich. Bei gutem Wetter und wenig Wolken am Himmel, kannst du hier die schönsten Sternenhimmel mit nur wenig Lichtverschmutzung beobachten.
In der ersten Nacht, in der es so windig war, haben wir uns tatsächlich im Ort Tabernas auf einen Parkplatz eines Restaurants gestellt. Auch diesen haben wir über park4night gefunden und nur vor ab, es ist nicht der schönste Platz, den du je gesehen hast, aber manchmal sind es genau diese Wetterbedingungen die dich „zwingen“ in der Sellplatz-Suche bisschen flexibler zu bleiben. Hätten wir uns bei dem Sturm irgendwo im nirgendwo hingestellt, hätten wir vielleicht stecken bleiben können, der Van wäre auf großer offener Fläche eine Angriffsfläche für den Wind geworden und wir hätten kein Auge zu gemacht. Deswegen wurde es folgender Platz für die erste Nacht:
37.0577, -2.3888 (lat, lng)
N 37°3’27.648” W 2°23’19.7376”
16 Calle 800 Balas
04200 Tabernas,
Spain
Hier waren wir nicht die einzigen Camper, die sich einen Geschützen Platz gesucht hatten und auch das gab mir ein gutes Gefühl. Trotzdem waren wir direkt in einem Ort wo einheimische wohnen. Bitte schaut immer, dass ihr da nicht zu lange an einem Ort bleibt und defnitv keine Camping verhalten zeigt, denn das ist es nicht. Es ist kein Campingplatz, sondern ein Parkplatz, den du netterweise nutzen darfst. Ich finde, es super wichtig, sich selbst da auch zu hinterfragen und seine Absichten zu kennen. Wenn du den Ort Tabernas länger genießt willst, gibt es zum Beispiel einen günstigen kostenpflichtigen Stellplatz leicht außerhalb, wie dem Campingplatz Pre Andalusier Pferde: https://www.google.com/maps/place/WOMO+PLACE+bei+Pre+Andalusier+Pferde/@37.0593281,-2.4003886,14.74z/data=!4m13!1m2!2m1!1scamping!3m9!1s0xd7aa712f07d581f:0x534062275e2b1abb!5m2!4m1!1i2!8m2!3d37.0703601!4d-2.3906157!15sCgdjYW1waW5nkgEKY2FtcGdyb3VuZOABAA!16s%2Fg%2F11z0pd3154?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDYwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D
Es gibt noch viele weitere tolle Orte, auch von Privatpersonen, die ihren Hof zum Beispiel vermieten für wenig Geld. Ich finde, sowas lohnt sich immer zu unterstützen, vor allem wenn man etwas sucht, wo man sich ausbreiten möchte und etwas länger verweilen will.
Um einen schönen gesamt Überblick über die Wüste zu bekommen, können wir dir den kleinen Ort Ìllar empfehlen. Hier wurden wir von der spanischen Gastfreundschaft wieder einmal komplett überrascht und haben frische Orangen von einer alten Dame geschenkt bekommen. Weiter südwestlich gibt es auch ein paar öffentliche kostenlose Wohnmobilstellplätze. Diese sind eine tolle Möglichkeit kostenlose Services vom Land und von den Gemeinden wahrzunehmen und legal sich wohinzustellen. An den folgenden Orten kannst du deine Wasservorräte auffüllen, sicher stehen ohne Bedenken und dein Grauwasser und Toilette ordentlich entleeren:
Wohnmobil Stellplatz bei Canjáya: https://maps.app.goo.gl/GgZLJmRKthCYMS697
Àrea de Auto-Caravanas Montagón: https://maps.app.goo.gl/1VMrVA8HuGLP7caz5
Àrea de Autocaravanas Abrucena: https://maps.app.goo.gl/uvz7qAasxC65c4veA