Vanlife mit Hund
wie funktioniert das?
Vanlife mit Hund: Die ungeschönte (und flauschige) Realität
Am Ende eines langen Tages voller Abenteuer gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als das Bett im Van auszuziehen und mich mit meinem Hund einzukuscheln. Als Alleinreisende oder im Paar – ein Hund im Camper ist nicht nur der beste Reisebegleiter, er gibt auch ein unglaubliches Gefühl von Sicherheit, weil er sofort merkt, wenn sich jemand dem Van nähert. Und ganz ehrlich: Er bringt mich jeden Tag zum Lachen.
Aber machen wir uns nichts vor: Vanlife mit einem großen Hund (in meinem Fall ein Weißer Schäferhund, der gefühlt die halbe Wohnfläche einnimmt und eine Menge weiße Haare verteilt) erfordert Kompromisse. Es gibt Nächte mit unruhigem Schlaf, unerwartete Pipi-Pausen um 3 Uhr morgens im strömenden Regen und heiße Sommertage, die plötzlich zur logistischen Herausforderung werden. Ein großer Hund passt nun mal nicht einfach in eine Handtasche, wenn man ins Café will.
Trotzdem würde ich es für nichts in der Welt ändern. Wenn du überlegst, deinen Hund mit in den Van zu nehmen, ist hier mein ultimativer Guide, wie das Leben auf vier Rädern mit vier Pfoten entspannt funktioniert.
5 Punkte, die man beim Vanlife mit Hund bedenken sollte:
1. Die Eingewöhnung & Fahrt
Wenn der Van neu für deinen Hund ist, wirf ihn nicht direkt ins kalte Wasser. Es ist eine gute Idee, ihn langsam an den Camper zu gewöhnen, bevor die große Reise losgeht. Mein Tipp: Beende eure normale Gassi-Runde doch mal am Van. Setz dich mit einer Tasse Kaffee hinein, lies ein Buch und lass deinen Hund entspannen, damit er lernt: Der Van ist ein Ort der Ruhe.
Während der Fahrt steht Sicherheit an erster Stelle. In vielen Ländern herrscht Anschnallpflicht für Hunde. Besorg dir ein gutes Sicherheitsgeschirr oder einen Adapter für das Gurtschloss. Plan außerdem regelmäßig Pausen ein, alle paar Stunden müssen die Beine (und Pfoten) gestreckt werden. Achte auch auf deine Playlist: Manche Hunde reagieren sehr sensibel auf bestimmte Musik oder laute Bässe. Halte die Lautstärke angenehm, um Stress zu vermeiden.
2. Reiseziele & Das Wetter-Dilemma
Mit einem Hund reist man anders. Städtetrips und stundenlanges Shoppen fallen meistens flach aber genau das spart Geld und lenkt den Fokus auf echte Naturerlebnisse.
Die größte Herausforderung ist die Hitze. Wenn du im Hochsommer unterwegs bist, musst du deine Route anpassen. Stundenlanges Wandern in der prallen Sonne oder über heißen Asphalt ist tabu (mach den Test: Wenn der Boden für deine nackten Füße zu heiß ist, ist er es auch für Hundepfoten!). Such stattdessen gezielt nach Wäldern, schattigen Schluchten und Orten mit Wasserzugang, wo sich dein Hund (und du) abkühlen könnt.
Vergiss nicht, vor Grenzüberschreitungen die Einreisebestimmungen zu checken. Oft werden bestimmte Impfungen, Entwurmungen oder Dokumente verlangt.
3. Wo schlafen wir heute?
Egal ob Freistehen oder Campingplatz, mit einem großen Hund musst du die Umgebung scannen. Wenn wir auf Campingplätzen stehen, lese ich vorher immer die Bewertungen: „Hundefreundlich“ bedeutet oft nur, dass Hunde an der extrem kurzen Leine geduldet werden. Das macht weder dir noch dem Hund Spaß.
Mein Lifehack für den Stellplatz: Eine lange Schleppleine (oder eine Longe aus dem Pferdebedarf). Die kannst du sicher am Van oder mit einem Bodenanker in der Erde befestigen. So hat dein Schäferhund Bewegungsfreiheit, kann entspannen, rennt aber nicht versehentlich dem nächsten Reh oder den Hühnern des benachbarten Bauernhofs hinterher.
4. Einkaufen & Alltag im Van
Hier kommt der wichtigste Punkt, bei dem es keine Kompromisse gibt: Lass deinen Hund niemals an warmen Tagen allein im geschlossenen Van! Selbst wenn es bewölkt ist, kann sich ein Fahrzeug extrem schnell aufheizen. Wenn du wissen willst, wie sich dein Van anfühlt, setz dich selbst mal für ein paar Minuten bei geschlossenen Türen nach hinten, wenn es dir unangenehm wird, wird es das für deinen Hund erst recht.
Wie managt man also Einkäufe als Alleinreisende oder Paar?
Support Local: Nutze kleine Hofläden oder Obststände am Straßenrand. Dort sind Hunde meistens willkommen oder du hast den Van mit offenen Türen direkt im Blick.
Click & Collect: Wenn du einen Großeinkauf brauchst, bestelle bei großen Supermärkten vor. Du fährst auf den Parkplatz, holst deine Kisten ab und bist in 5 Minuten wieder weg.
Wenn es wirklich kühl genug ist und du für 10 Minuten in den Laden springst: Sorge für Durchzug (Dachluke auf, Fenster einen Spalt offen) und nutze ein gutes Lenkradschloss – leider werden Hunde manchmal gestohlen, weil das Fahrzeug gestohlen wird.
5. Futter-Logistik für große Hunde
Ein kleiner Hund braucht eine kleine Dose. Ein großer Weißer Schäferhund frisst definitiv mehr. Wenn du roh fütterst (BARF) oder spezielles Futter nutzt, brauchst du eine ordentliche Kühlbox und musst deine Route so planen, dass du alle paar Tage Nachschub besorgen kannst. Zum Glück gibt es mittlerweile fast überall gute Tierhandlungen. Auch wir haben hier lange suchen müssen, da unser Lubo Hypoallergenes Futter bekommt und wir nicht für ein Jahr Proviant mitnehmen konnten. Aber von Land zu Land haben wir gemerkt, welche Marken er verträgt, denn oft gibt es ähnliches Futter nur von anderen Marken. Wir machen es oft so, wenn wir ihn an neues Futter gewöhnen, es am Anfang mit seinem gewöhnlichen zu mischen und die Dosis nach und nach zu verringern, so dass der Körper sich an das neue Futter gewöhnt. Und ich muss sagen, das hat echt immer super geklappt und inzwischen wissen wir genau, welche Marken und welches Futter wir in welchem Land bekommen. Habt da einfach Geduld, informiert euch, zur Not könnt ihr es auch im Internet bestellen und sogar an manche Hundeläden im Ausland schicken lassen.
Rikes Packliste: Was immer im Van sein muss
Der Platz ist begrenzt, aber diese Dinge retten dir das Leben (und den sauberen Van):
1. Zwei Mikrofaser-Handtücher: Trocknen schnell, nehmen den Schmutz aus dem weißen Fell und verhindern den typischen „Nasser-Hund-Geruch“ im Camper.
2. ein bequemes Hundebett, Hundekiste oder Decke, wo er wenn er matschig ist oder wenn er zur Ruhe kommen soll hingewiesen werden kann.
3. Hunde-Reiseapotheke: Zeckenzange, Verbandszeug, Augentropfen und Desinfektionsmittel. (Hunde finden immer einen Weg, sich im Gebüsch zu kratzen). Für uns hieß es leider oft, los gehts mal wieder zum veterenario, dem spanischen Tierarzt, da Lubo als Schweizer Schäferhund, eher gedacht für kältere Regionen, durch die Wetter und Klimaumstellung eine Analdrüsen Infektion bekommen hat. (Alles halb so schlimm, wenn man weiß, wie man es behandelt, aber auch solche Dinge können kommen). Das Gute, ist dass es vor allem in Spanien und Portugal sehr viele flexible Tierartzpraxen gibt, wodurch der ständige Besuch an unterschiedlichen Orten sehr einfach war.
4. Faltbarer Wassernapf & Flasche: Für längere Wanderungen. Es gibt Trinkschalen, die einen Anti-Auslaufschutz haben, sehr praktisch, wenn man beim Auto fahren dem Hund trotzdem seine Wasserschale zur Verfügung stellen möchte.
5. Eine lange Schleppleine / Longe: Für den entspannten Abend am Stellplatz. Allgemein mein Tipp: nimm lieber 2-3 Leinen mit, du weißt nie, wann mal eine kaputt geht und ohne willst du auch nicht darstehen.
6. Eine mobile Dusche: Wir nutzen unsere Außendusche, um Schlammpfoten abzuwaschen, bevor der Hund in den Van springt.Das ist wirklich ein Game-Changer, sowohl bei Schlammpfoten, als auch bei einem Hund der das Wasser liebt. Salzwasser am Hund sollte eh oft und im Idealfall abgeduscht werden, da es auf Dauer Juckreiz auslösen kann.
Meine allerwichtigste Sache, die keiner, egal wie groß oder klein dein Hund ist, vergessen sollte: Regenmantel! Erleichtert dir in vielen regnerischen Situationen den Tag!